I-Typ oder B-Typ: Entscheidungshilfe für neue Konstruktionen
Wer ein neues Gestell, eine Maschinenverkleidung oder einen Arbeitsplatz aus Aluprofilen plant, steht früh vor einer Systemfrage: I-Typ oder B-Typ? Von außen sehen ein 40x40-Profil des einen und des anderen Systems fast gleich aus. Der Unterschied liegt in der Nut, und er entscheidet darüber, welche Nutensteine, Verbinder und Abdeckungen später passen. Diese Entscheidung lässt sich nachträglich nur mit Aufwand korrigieren, weil ein Wechsel das gesamte Zubehör betrifft.
Dieser Ratgeber erklärt, was hinter den beiden Bezeichnungen steckt, wo die Systeme sich unterscheiden, und gibt eine Entscheidungshilfe für neue Konstruktionen. Wir bei maunsystem führen beide Systeme und bewerten deshalb keines als grundsätzlich besser. Es geht darum, das System zu wählen, das zu Ihrem Projekt, Ihrem Bestand und Ihrem Zubehör passt.
Die Kurzantwort: So entscheiden Sie in einer Minute
- Sie erweitern eine vorhandene Anlage: Bleiben Sie beim System, das bereits verbaut ist. Prüfen Sie Nutbreite und Nutform am Bestand.
- Sie starten neu und nutzen item-kompatibles Zubehör: Wählen Sie den I-Typ. Das Sortiment finden Sie unter item-kompatible Profile.
- Sie starten neu und nutzen Bosch-Rexroth-kompatibles Zubehör: Wählen Sie den B-Typ. Das Sortiment finden Sie unter Bosch-Rexroth-kompatible Profile.
- Sie starten ohne Vorgaben: Entscheiden Sie nach Rastermaß, Nutbreite und Zubehörbedarf. Die Abschnitte unten helfen dabei.
- Sie wollen beide Systeme mischen: Das ist in der Regel keine gute Idee. Nutensteine und Verbinder sind auf eine Nutgeometrie ausgelegt.
Was bedeuten I-Typ und B-Typ?
Die Bezeichnungen stammen aus dem Handel und beschreiben zwei verbreitete Profilfamilien mit unterschiedlicher Nutgeometrie. Der I-Typ wird im Handel häufig als item-kompatibel bezeichnet, der B-Typ als Bosch-Rexroth-kompatibel. Die Profile selbst sind Strangpressprofile aus Aluminium, meist in einer EN-AW-6060-Legierung, und werden in vielen Details unabhängig von den Markeninhabern gefertigt. Die konkrete Legierung, Wärmebehandlung und Festigkeit sind produkt- und herstellerabhängig und dem Datenblatt zu entnehmen.
Die Namen "item" und "Bosch Rexroth" werden ausschließlich zur beschreibenden Kennzeichnung der Kompatibilität verwendet (Hinweis gemäß § 23 MarkenG).
Gemeinsam ist beiden Systemen, dass sie über umlaufende Nuten verfügen, in die Nutensteine eingesetzt werden. Darüber lassen sich Winkel, Verbinder, Platten und Anbauteile ohne Schweißen oder Bohren befestigen. Weitere Grundlagen finden Sie im Beitrag Aluprofile: Baureihen und Größen.
I-Typ und B-Typ im direkten Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die typischen Unterschiede zusammen. Einzelne Hersteller weichen bei Wandstärken, Gewichten und Details ab. Entscheidend sind deshalb immer die Maße und Datenblätter des konkreten Profils. Die genannten Nutbreiten des B-Typs gelten für das reguläre Bosch-Rexroth-Programm, bei Sonder- oder Fremdprofilen sind Abweichungen möglich.
| Merkmal | I-Typ (item-kompatibel) | B-Typ (Bosch-Rexroth-kompatibel) |
|---|---|---|
| Nutform | Eher abgerundet und spitzer zulaufend | Eher eckig und flacher, mit flach geneigten Nutflanken |
| Typische Nutbreiten | 5, 6, 8 und 10 mm (bei großen Profilen auch 12 mm) | 6, 8 und 10 mm |
| Typische Rastermaße | 20, 30, 40, 50 und 60 mm | 20, 30, 40, 45, 50 und 60 mm |
| Rundrohr-Systeme | Profilrohr D30 | Profilrohr D28 |
| Zubehör | Systemgebunden an die I-Typ-Nut | Systemgebunden an die B-Typ-Nut |
| Kombination mit dem anderen System | Nicht empfohlen | Nicht empfohlen |
Die Zahlen zeigen: Die Systeme überschneiden sich bei den Rastermaßen 20, 30, 40, 50 und 60 mm. Ein 45er-Raster deutet in der Regel auf den B-Typ hin. Ein 50er-Raster kommt bei beiden Systemen vor. Entscheidend sind daher Nutbreite, Nutform und das Datenblatt des konkreten Profils. Mehr dazu im Beitrag Rastermaß bei Aluprofilen.
Die Nut entscheidet: Geometrie und Nutbreite
Die Nut nimmt Nutensteine, Hammerkopfschrauben und Verbinder auf. Ihre Form bestimmt, wie diese Teile sitzen und wie sich die Schraubkraft auf das Profil überträgt. In der Regel ist die I-Typ-Nut stärker gerundet bzw. spitzer zulaufend, während die B-Typ-Nut flacher und eckiger wirkt. Maßgeblich sind immer Nutmaß, Nuttiefe und Datenblatt des konkreten Profils. Das ist der Hauptgrund, warum ein Nutenstein des einen Systems im anderen Profil nicht sauber sitzt: Er liegt nicht an den vorgesehenen Flächen an und kann unter Last verrutschen oder sich verkippen.
Die Nutbreite gibt an, wie weit die Öffnung ist. Gängig sind Nut 6, Nut 8 und Nut 10, beim I-Typ zusätzlich Nut 5 für sehr kleine Profile. Als Faustregel gilt: Kleine Nuten eignen sich für leichte Anwendungen wie Abdeckungen und Messaufbauten, Nut 8 deckt viele Standardfälle im Gestellbau ab, Nut 10 kommt bei größeren Profilen und höheren Belastungen zum Einsatz. Eine breitere Nut bietet zudem mehr Platz für Kabel und größere Schrauben. Warum die Nutbreite so wichtig ist, erklärt der Beitrag Nut 6 oder Nut 8.
Gleiche Nutbreite heißt außerdem nicht gleiche Nut: Ein I-Typ-Profil mit Nut 8 und ein B-Typ-Profil mit Nut 8 haben dieselbe Öffnungsbreite, aber nicht dieselbe Nutform. Auch Wandstärke, Nuttiefe und Kernbohrung sind herstellerabhängig und können abweichen. Bei der Kernbohrung entscheidet das darüber, ob Gewinde oder Selbstschneidschrauben sauber greifen (siehe Kernlochbohrung einfach beschrieben).
Zubehör: Was passt zu welchem System?
Im Alltag zeigt sich die Systemfrage beim Zubehör. Folgende Teile sind an die Nutgeometrie gebunden:
- Nutensteine: Sie müssen in Form und Größe zur Nut passen, sonst fehlt die Auflagefläche. Typen und Montage beschreibt der Nutenstein-Vergleich.
- Automatik- und Universalverbinder: Sie greifen in die Nut oder in die Kernbohrung. Details finden Sie unter Automatikverbinder einfach beschrieben.
- Winkelverbinder und Stoßverbinder: Sie werden über Nutensteine befestigt, die Systemzugehörigkeit gilt also auch hier (Winkelverbinder, Stoßverbinder).
- Abdeckleisten und Nutabdeckungen: Sie rasten in die Nut ein und sind ebenfalls systemgebunden.
- Flächenelemente: Platten, Gitter und Verglasungen werden über Nutleisten oder Halter gehalten, die zur Nut passen müssen.
Einen Überblick über das passende Sortiment erhalten Sie in unserem Aluprofil-Zubehör. Achten Sie dort bei jedem Artikel auf die Angabe zu Systemtyp und Nutbreite.
Entscheidungshilfe für neue Konstruktionen
Bei einem Neuprojekt ohne Altbestand helfen sechs Fragen. Beantworten Sie sie der Reihe nach, bis sich eine Richtung ergibt.
- Gibt es bereits Anlagen oder Zubehör im Haus? Dann hat der Bestand Vorrang. Ein einheitliches System im Betrieb vereinfacht Lagerhaltung, Ersatzteile und Schulung.
- Welches Rastermaß brauchen Sie? Ein 45er-Raster deutet auf den B-Typ hin. Bei 20, 30, 40, 50 und 60 mm kommen beide Systeme infrage, dann entscheiden Nutform, Nutbreite und Datenblatt.
- Welche Nutbreite passt zur Anwendung? Leichte Aufbauten sind mit Nut 6 gut bedient, Standardgestelle meist mit Nut 8, größere und höher belastete Konstruktionen eher mit Nut 10.
- Welche Lasten und Spannweiten treten auf? Die Tragfähigkeit hängt vom Profilquerschnitt, dem Flächenträgheitsmoment, der Spannweite und der Verbindungstechnik ab, nicht allein vom System. Eine Orientierung bietet der Beitrag Aluprofil Belastbarkeit.
- Welche Verbindungstechnik ist vorgesehen? Wenn Sie spanlos montieren wollen, prüfen Sie, ob der gewünschte Verbinder für Ihr System und Ihre Nutbreite verfügbar ist.
- Gibt es besondere Anforderungen? Dazu zählen ESD-Eigenschaften, Kabelführung in der Nut, schwarze Eloxierung oder Sonderprofile.
Typische Anwendungsfälle
| Anwendung | Naheliegende Wahl | Begründung |
|---|---|---|
| Erweiterung einer bestehenden item-kompatiblen Anlage | I-Typ | Zubehör und Profile bleiben einheitlich |
| Erweiterung einer bestehenden Bosch-Rexroth-kompatiblen Anlage | B-Typ | Nutensteine und Verbinder passen weiter |
| Neues Maschinengestell mit 45x45-Profilen | B-Typ | Das Rastermaß 45 mm deutet auf den B-Typ hin |
| Leichter Messaufbau oder kleiner Arbeitsplatz | Beide, meist Nut 5 bis 8 (Nut 5 nur im I-Typ) | Zubehör und Preis geben den Ausschlag |
| Rundrohr-Konstruktion | D30 (I-Typ) oder D28 (B-Typ) | Rohrdurchmesser und Verbinder sind systemgebunden |
| Großes Profil mit hoher Belastung | Nach Datenblatt | Querschnitt und Verbindungstechnik zählen mehr als die Systemzugehörigkeit |
Beide Systeme mischen oder wechseln?
Einige Teile wirken austauschbar, etwa weil ein Winkel von außen gleich aussieht. Die Praxis zeigt aber, dass gemischte Aufbauten Probleme machen: Nutensteine sitzen nicht plan, Verbinder haben Spiel und Abdeckleisten rasten nicht ein. Eine Verbindung, die auf den ersten Blick hält, kann unter Vibration oder Last nachgeben. Wenn Sie beide Systeme im Betrieb haben, trennen Sie Lagerplätze und Beschriftung sauber.
Ein Systemwechsel ist möglich, betrifft aber alle Nutensteine, Verbinder und Abdeckungen. Bei einem Neuprojekt ohne Rücksicht auf alte Anlagen lohnt sich daher die bewusste Entscheidung am Anfang. Wenn Sie unsicher sind, welches System Ihr Bestand nutzt, schicken Sie uns ein Foto des Profilquerschnitts, die Außenmaße und eine Nahaufnahme der Nut über unsere Kontaktseite.
Typische Fehler bei der Systemwahl
In der Beratung begegnen uns immer wieder dieselben Stolpersteine, die sich mit einer kurzen Prüfung vermeiden lassen:
- Entscheidung allein nach dem Außenmaß: Zwei 40x40-Profile können zu verschiedenen Systemen gehören. Wer nur das Maß bestellt, erhält unter Umständen Zubehör, das nicht zur Nut passt.
- Zubehör zuerst gekauft: Wer Nutensteine und Winkel vorab beschafft, legt sich ungewollt fest. Besser ist es, zuerst das Profil und dann das Zubehör zu wählen.
- Verwechslung von Nutbreite und Nutform: Eine gleiche Nutbreite bedeutet nicht, dass Nutensteine untereinander austauschbar sind.
- Mischbestand ohne Kennzeichnung: Wenn beide Systeme im Lager liegen, sollten Profile und Zubehör getrennt und beschriftet sein.
- Datenblatt nicht geprüft: Wandstärke, Gewicht und Kernbohrung unterscheiden sich je nach Hersteller und Profilreihe. Verlassen Sie sich nicht auf Faustwerte.
Oberfläche, Material und Zuschnitt: gleich bei beiden Systemen
Nicht jede Frage hängt am System. Material, Oberfläche und Zuschnitt lassen sich bei beiden Familien gleich wählen. Die Profile gibt es naturfarben eloxiert, teils auch schwarz eloxiert (Verfügbarkeit je nach Baureihe und System prüfen). Die Eloxalschicht schützt die Oberfläche, erhöht aber nicht die Tragfähigkeit des Profils. Für Sichtbereiche, Messebau und Verkleidungen wird häufig schwarz eloxiert eingesetzt.
Auch beim Ablängen gelten dieselben Regeln. Wer Profile auf Maß bestellt, spart Verschnitt und Montagezeit. Welche Toleranzen dabei üblich sind und worauf Sie achten sollten, steht im Beitrag Aluprofil Zuschnitt auf Maß.
Systemwahl und Verbindungstechnik zusammen denken
Die Systemwahl beeinflusst, welche Verbinder Sie später einsetzen können. Außenliegende Winkel arbeiten mit Nutensteinen und sind in beiden Systemen verfügbar. Automatikverbinder verspannen sich in der Nut und setzen eine passende Nutgeometrie voraus. Verdeckte Verbindungen wie Bolzen- oder Universalverbinder greifen zusätzlich in Kernbohrung oder Stufenbohrung, weshalb hier auch die Profilreihe zählt. Wenn Sie eine bestimmte Verbindungstechnik fest eingeplant haben, prüfen Sie zuerst, ob sie für Ihr System und Ihre Nutbreite angeboten wird. Das ist oft die schnellste Abkürzung zur Systementscheidung. Einen Überblick über das Verbinden von Profilen gibt unsere Seite Aluprofile verbinden.
Praxisbox: Das sollten Sie vor der Bestellung prüfen
- Außenmaß und Rastermaß: 20, 30, 40, 45, 50 oder 60 mm, siehe Tabelle oben.
- Nutbreite und Nutform: Bei vorhandenen Profilen die Nut messen und mit einem Nutenstein gegenprüfen.
- Kernbohrung: Durchmesser und Gewinde für die geplante Verbindungstechnik.
- Zubehör für das gewählte System: Nutensteine, Verbinder und Abdeckleisten nicht über Systemgrenzen kombinieren.
- Lastfall: Anzugsmomente und Haltekräfte aus den Datenblättern der konkreten Artikel entnehmen.
Fazit: Erst das System festlegen, dann das Zubehör wählen
I-Typ und B-Typ sind zwei gleichwertige Systeme mit unterschiedlicher Nutgeometrie. Weder das eine noch das andere ist grundsätzlich überlegen. Entscheidend sind der Bestand, das benötigte Rastermaß, die Nutbreite und das verfügbare Zubehör. Wer das System zu Beginn festlegt und konsequent durchzieht, spart später Montagezeit und vermeidet Passprobleme.
Passende Profile und Zubehör finden Sie in unseren beiden Kategorien: item-kompatible Aluprofile (I-Typ) und Bosch-Rexroth-kompatible Aluprofile (B-Typ). Wenn Sie bei der Auswahl Unterstützung brauchen, hilft Ihnen unser Team über den Shopservice gern weiter.
Weiterführende Ratgeber
- item-kompatible Profile im Systemüberblick: Baureihen, Nuten und Einsatzbereiche des I-Typs.
- Bosch-Rexroth-kompatible Profile: Typ B vs. item: Hintergrund zum B-Typ.
- Rastermaß bei Aluprofilen: 20, 30, 40 oder 45 mm richtig wählen.
- Nut 6 oder Nut 8: Welche Nutbreite für welche Anwendung.